Aktuelle Situation der Energielandwirtschaft im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Tortendiagramm: 50,1 % Biomasse, 31 % Solar, 17,8 % Wind, 0,6 % Klär- und Deponiegas, 0,5% WasserZoombild vorhanden

Erneuerbare Energieträger

Einführung
Die Novellierung des „Erneuerbare Energien Gesetzes“ (EEG) zur Jahresmitte 2014 hat den Neubau von Biogasanlagen bayernweit und auch im Landkreis WUG fast vollständig zum Erliegen gebracht. Einzig sogenannte 75 kW-Gülleanlagen sind noch wirtschaftlich zu betreiben. Nach wie vor sind die bäuerlichen Biogasanlagen mit ihrer Strom- und Wärmeerzeugung jedoch die tragende Säule für die Energiewende im Landkreis. Der folgende Beitrag soll den aktuellen Stand der Erneuerbaren Energien mit dem Schwerpunkt Energielandwirtschaft im Detail beleuchten.

Entwicklung der Einspeiseleistungen erneuerbaren Energien im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Einspeiseleistungen erneuerbarer Energien im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
 Stromeinspeisung der EEG-Anlagen 2012
in Megawattsunden (MWh)
Stromeinspeisung der EEG-Anlagen 2014
in Megawattsunden (MWh)
Biomasse190.535212.419
Solarstrom114.102130.295
Windkraft55.39074.798
Wasserkraft1.1522.312
Klär- und Deponiegas9402.964
Gesamte EEG-Stromeinspeisung353.130420.123

Folgende Aussagen lassen sich für Weißenburg-Gunzenhausen festhalten:

  1. Bezogen auf den bundesdeutschen Durchschnittsstromverbrauch pro Einwohner von 7,4 MWh/Jahr (= rechnerisch 683.908 MWh/Jahr für WUG) betrug der Anteil des tatsächlich eingespeisten EEG-Stroms im Landkreis WUG 51,6 Prozent im Jahr 2012 und 61,4 Prozent im Jahr 2014.

  2. Den „Löwenanteil“ des eingespeisten EEG-Stroms erzeugen die Biogasanlagen, nämlich 53,9 Prozent im Jahr 2012 und 50,1 Prozent im Jahr 2014.

  3. Die bäuerlichen Biogasanlagen erzeugen seit 2012 mehr als die Hälfte des EEG-Stroms.

  4. Auch im Jahr 2014 kommt mehr als die Hälfte des EEG-Stroms aus den Biogasanlagen. Da der Neubau von Biogasanlagen stagniert, konnten Windkraft und Solaranlagen ihren Anteil leicht steigern.

(Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der EEG-Jahresmeldungen 2012 und 2014 der „TenneT TSO GmbH“, Stand Juli 2015)
Einspeisemengen von EEG-Strom im Landkreis WUG in den Jahren 2012 und 2014

Entwicklung bäuerlicher Biogasanlagen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Biogasanlagen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der EEG-Jahresmeldungen 2014 der „TenneT TSO GmbH“, Stand Juli 2015) 

Biogasanlagen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
 2009201020122014 / 15
Anzahl Biogasanlagen42556465
Elektrische Gesamtleistung
(MW)
9,1512,1426,9132,85
Durchschnittsleistung/Anlage
(kW elektrisch)
218220420505 *
* Ab 1. August 2014 ist die EEG-vergütete Einspeisemenge gedeckelt auf 95 % der am 31. Juli 2015 installierten elektrischen Leistung; die durchschnittliche erzeugte Einspeismenge pro Anlage betrug 2014 etwa 484 kw elektrisch.

Folgende Fakten lassen sich stichpunktartig festhalten:

  • Die Zahl der Anlagen steigt nur noch unmerklich an.
    • Das novellierte EEG 2014 hat den Neubau bäuerlicher Biogasanlagen praktisch zum Erliegen gebracht, da sich durch unter den Bedingungen des EEG 2014 mit bäuerlichen Biogasanlagen keine Wirtschaftlichkeit mehr erzielen lässt.
    • Ausnahmen sind sogenannte „75-kW-Gülleanlagen“. Diese Gülleanlagen dürfen maximal einevelektrische Leistung von 75 kW aufweisen und müssen mindestens 80 Massenprozent Gülle und Festmist vergären. Alle seit 2011 bei uns neu errichteten Anlagen sind solche „Gülleanlagen“.
  • Die Anlagen weisen im Durchschnitt eine höhere installierte Leistung auf, vor allem wegen der Möglichkeit einer flexiblen Fahrweise, können aber ihre Bemessungsleistung (= die nach EEG vergütete Jahresstrommenge) nicht mehr erhöhen, da alle Altanlagen seit 1. August 2014 (Inkrafttreten des EEG 2014) maximal 95 Prozent der am 31. Juli 2014 installierten elektrischen Leistung nach dem EEG vergütet bekommen. Für darüber hinaus eingespeiste Strommengen kann nur der absolut nicht kostendeckende Börsenpreis (ca. 4 Cent/kWh) erzielt werden. Damit existiert mit dem EEG 2014 de facto eigentlich ein Einspeisekontingent! Effizienzsteigerung und Verbesserung der Rentabilität sind seitdem nur noch durch Stromdirektvermarktung mit flexibler Fahrweise, Steigerung der Wärmenutzung und Einsatz moderner BHKW mit höheren Wirkungsgraden (und damit geringeren Substratmengen) möglich.